Mittwoch, 20. Mai 2020

Einordnung zur Email von Campact Chef Felix Kolb

Der Campact-Vorstand Felix Kolb hat mit einer beachtlichen Reichweite von 2,3 Millionen Lesern Emails an seinen Verteiler geschickt, Der Tenor: Gehen Sie nicht auf Demos! Den Originaltext findet ihr HIER

Meine Einordnung: 

Behauptung:
Deutschland ist bisher erfolgreich in der Eindämmung des Virus

Das wissen wir nicht, wir wissen, dass die Zählungen der Toten durch zB Johns Hopkins Universität und RKI in Deutschland niedrigere Zahlen lieferten als in anderen Ländern. Wir wissen nicht, wie verbreitet der Virus (noch) ist.

Behauptung:
Doch das liegt nicht daran, dass das Virus weniger gefährlich ist als gedacht. Der einfache Grund: Die bisherigen Maßnahmen haben gut funktioniert.

Das ist nicht belegt.
Wir haben bislang keine repräsentativen Tests durchgeführt.
Der einzige flächendeckende Test von annähernd tausend Erkrankten und nicht erkrankten Personen fand in Gangelt durch Dr Streeck statt. Er lieferte deutliche Anhaltspunkte, dass der Virus weniger gefährlich ist als gedacht.

Behauptung:
Die Gesundheitsbehörden haben früh, viel und systematisch getestet.

Das ist falsch. Es wurde erst überhaupt nicht, dann nur bei nachweisbarem Kontakt mit einem Positiv getesteten, dann bei Symptomen und dann in immer gröberen Ausweitungen der Kriterien getestet. Repräsentative Flächentests fanden bislang nur in Gangelt statt.

Behauptung
Dadurch konnten sie das Infektionsgeschehen rechtzeitig eindämmen.

Das ist falsch, s.o. Das Infektionsgeschehen wurde nach heutiger Erkenntnis durch die Maßnahmen des Social Distancing vor dem Lockdown und Begleitmaßnahmen wie Händewaschen, in die Armbeuge niesen etc eingedämmt - oder das Virus hat sich selbst abgeschwächt,man kann es nur vermuten, es gibt keine Belege außer der R-Zahl , die vor dem Lockdown auf unter 1 gesunken ist (Bulletin des RKI vom 16.04) 

Behauptung:
Auch deswegen sind in Deutschland der Seuche im Pro-Kopf-Vergleich viel weniger Menschen zum Opfer gefallen als beispielsweise in Spanien, Schweden, Großbritannien, Italien oder den USA.[3]

Das wissen wir nicht. Die Zahlen wurden in den Ländern nicht einheitlich gezählt, zudem sagen die Zahlen nichts über die Gründe.
Einzelne Sterbegründe in den Ländern kenne ich nicht, in Italien beispielsweise sind enges Zusammenleben und hohe Antibiotikaresistenzen, daraus resultierend eine hohe Belastung mit Krankenhauskeimen, eine Nichtverlegung in freie Krankenhäuser und ein chronisch schlecht ausgestattetes Gesundheitssystem als Gründe im italienischen Parlament genannt worden.
Das Italienische Gesundheitsministerium ISS hat als erstes Vorerkrankungen aus den Krankenakten genannt, über 47 Prozent ahtten mehr als 3, jeweils 25 Prozent mehr als zwei oder eine. Es mag also auch an besserer Volksgesundheit, dem Altersschnitt der Region, dem Zustand der Krankenhäuser etc liegen. 

Behauptung:
(...)So haben wir gemeinsam unzählige Menschenleben gerettet, darauf dürfen wir stolz sein.

Das wissen wir nicht, die Anzahl Geretteter ist eine reine Vermutung, das Gegenargument wäre ja : Niemand wäre gestorben, wenn die Maßnahmen nicht ergriffen worden wären, beides ist nicht belegbar, da die Maßnahmen ergriffen wurden.
Annähernd benennbar sind hingegen die Kollateralschäden; 250.000 verschobene Operationen(Merkur), soziale und psychische Folgen des social Distancing, Krisenbedingte Suizide (charité), Vernichtung von hunderttausenden Existenzen, 10 Millionen Menschen in Kurzarbeit (Agentur für Arbeit) etc...

Behauptung:
Gleichzeitig schrumpft die Wirtschaft bei uns zwar – aber nicht stärker als in den Ländern, die zögerlicher auf das Virus reagierten.

Das ist eine Momentaufnahme.
Wir sind eine Exportnation, die Prognosen sind erschütternd, Länder mit großer Binnennachfrage werden später ggf besser dastehen.

Behauptung:
Bei aller Kritik dürfen aber nicht vergessen, mit welcher Wucht die Pandemie uns überrannt hat. Und wie schnell die Regierungen weltweit Entscheidungen treffen mussten – ohne viel über das Virus zu wissen.

Die Pandemie ist im Dezember in China ausgebrochen. Obwohl sie dort zu drastischen Maßnahmen führte und Tote forderte, wurde sie noch Ende Februar vom RKI als gering gefährlich eingestuft, erst Ende März für Risikogruppen als Sehr hoch.
Es durfte zB noch Karneval gefeiert werden.

Ob internationale Koordinierung stattfand oder stattfindet, ist schwer einzuschätzen, die Warnungend er WHO sind die einzigen Nachrichten in diese Richtung, wurden aber auch als zu spät kritisert (Trump strich mit dieser Begründung die Gelder). Mich wundert auch, dass man als Normalbürger nichts über internationale Zusammenarbeit hört, die findet sicher statt, aber wüsstest Du, welche?


Behauptung:
Im Kern waren die Maßnahmen zum Infektionsschutz richtig und angemessen. Die Alternative wären mit hoher Sicherheit Tausende, wenn nicht Zehntausende zusätzliche Tote gewesen

Das ist eine reine Behauptung, die Reproduktionszahl ist ohne Lockdown unter eins gefallen, social distancing z.B. hätte also ggf genügt. Wir wissen nicht, wie es ohne Maßnahmen ausgeschaut hätte, der Vermutung, dass das schlimmer gewesen wäre stimme ich zu, die Zahlen (zehntausende)sind aber eine reine Vermutung.

Behauptung:
Viele der Menschen, die gerade samstags auf die Straße gehen, verleugnen, wie gefährlich das Virus ist.
Das ist eine Vermutung, auf Plakaten sehe ich das nicht und höre es auch nicht von den Teilnehmern unserer Mahnwache. Wir hatten unter 280 Teilnehmern nur eine, die meint, das Virus gäbe es nicht, in Reden wird immer wieder betont, dass es sinnvoll ist, die Risikogruppen zu schützen. Zumeist wird der "Hype", die Angst und die Einschränkung von Grundrechten kritisiert.


Behauptung:
Andere tun so, als sei die Gefahr gebannt. Das ist leider nicht der Fall.
Das ist nicht belegt, die Gegenmeinung wäre hier: Andere tun so, als sei das Virus noch gefährlich, auch das ist nicht belegt.

Behauptung:
Nach allem, was wir wissen, hat sich bislang nur ein Bruchteil der Bevölkerung infiziert.[5] Wenn unsere Vorsicht nachlässt und die Lockerungen zu weit gehen, ist eine zweite Infektionswelle unausweichlich.

Das sind Behauptungen, bislang hat kein Land am selben Ort eine zweite Welle erlebt, die Studien von Streeck oder die der Stanford- Universität legen nahe, dass das Gegenteil der Fall ist und viel mehr Leute bereits infiziert waren.

Behauptung:
Diese Welle wäre wahrscheinlich deutlich schlimmer als die erste. Denn das Virus hat sich mittlerweile flächendeckend in Deutschland ausgebreitet.

Diese Vermutung widerspricht dem eben gesagten, wenn es bereits ausgebreitet ist, ist eine gewisse Herdenimmunität erreicht.

Behauptung:
Es drohen dann nicht ein Heinsberg – ein Landkreis in NRW, der zum ersten großen Infektionsherd in Deutschland wurde – sondern unzählige.[6]
Das sind Vermutungen, die sich auf die Aussagen von Christian Drosten stützen, der bislang durchweg falsch lag und noch nie etwas anderes gesagt hat, als dass es gefährlicher sei als wir gerade sehen. Es gibt über 120 verbriefte Gegenmeinungen von Virologen, Epidemiologen, Systembiologen, Bioingenieuren und Ärzten dazu.

Behauptung:
Deswegen sind die Proteste, die in einigen Städten entstehen, auch so gefährlich.
Das wissen wir nicht. Gggf sind sie ungefährlich, wenn die Abstandsregeln eingehalten werden, ggf sind sie generell gefährlich oder generell ungefährlich.

Behauptung:
Doch die Folgen dieser Ideologien (Verschwörungstheorien, AdA) sind real und gefährlich für uns alle. () Viele Demonstrant*innen verweigern Masken und missachten sogar grundlegende Abstandsregeln. Die Demonstrant*innen gefährden damit völlig unnötig sich selbst – aber auch ihre Familien, Polizeibeamt*innen, Ärzt*innen, Pfleger*innen und letztlich uns alle.

Masken sind im öffentlichen Raum nicht vorgeschrieben, man kann also nicht von Verweigerungen sprechen. Nach meinen Beobachtungen halten die Demonstranten die Abstände überwiegend ein, bei den Meditationen und Mahnwachen immer, bei Standdemos nahezu 100 Prozent, bei den Spaziergängen in Pirna ist auch kein enges Gehen ersichtlich, lediglich bei Bewegtdemos in Köln habe ich enger laufende Massen gesehen. Polizeibeamte gehen oft in die Abstand haltenden, in Berlin haben sie immer wieder scheinbar wahllos Menschen aus der Menge abgeführt, Polizeibeamte und Ordnungsamt halten in ihren Wagen, während der Aufstellung, während des Einkreisens und "Mauerns" keinen Abstand zueinander und tragen auch erst seit zwei Wochen flächendeckend Mundschutz.
Wollte man die Beamten schützen, wäre es sinnvoll, sie nicht in die Demonstrationen hineingehen zu lassen und nur mit Lautsprecherdurchsagen auf Demonstranten einzuwirken. Zumindest wäre es absolut unsinnig, wie es nun jedes Wochenende geschieht, Demonstranten in Berlin einzukesseln oder Ihnen wie in Berlin und Nürnberg entgegenzugehen, ihnen wie in Pirna den Weg abzuschneiden etc, sprich Deeskalation wäre, was den Abstand angeht, die bessere Wahl in der Taktik. Die Aufsicht darüber obliegt dem Dienstherrn, nicht den Demonstranten. Demonstranten auf genehmigten Demonstrationen müssen immer von der Polizei geschützt werden.
Inwiefern später durch Menschen, die sich anstecken könnten, Ärzte, Pfleger und alle betroffen sind, kann man nicht belegen.

Behauptung
Zudem untergraben die Proteste auch die öffentliche Unterstützung für die Schutzmaßnahmen.

Einordnung: Das ist das erklärte Ziel der Proteste.


Behauptung:
Und der lauten Minderheit scheint es sogar zu gelingen, das Handeln einiger Landesregierungen zu beeinflussen.
Einordnung: Politisches Handeln wird immer von Umfragen, Medienrezeption, sichtbaren Protesten oder Lobby/Einzelbeeinflussung getrieben. Manchmal sogar vom eigenen Gewissen. 

Behauptung:
Wenn nicht mehr Vorsicht und Wissenschaft die Corona-Politik bestimmen (), schweben bald viele Menschen in Lebensgefahr.
Ich stimme voll zu. Das gilt nämlich für die flächendeckende Testung, viele, viele Obduktionen und die Miteinbeziehung der Kollateralschäden.

Behauptung:
Denn viele der Proteste werden von einer beunruhigenden Mischung aus Reichsbürger*innen, Rechtsextremen und einschlägigen Verschwörungsideolog*innen organisiert. Wer an ihren Demonstrationen teilnimmt, macht sich mit diesen Menschen gemein.

Es ist beides falsch.
Rechte, Verschwörer und Reichsbürger machen nach meinen Beobachtungen ( in Köln vor Ort, sonst durch langes Schauen von Video und viele, viele Chats) nur einen sehr geringen Teil der Demonstranten bzw Anmelder aus.
Die Stuttgarter Redner haben sich zB aus diesen Behauptungen einen Spaß gemacht und die Leute aufzeigen lassen, zu welchem politischen oder weltanschaulichen Spektrum sie sich zuordnen, die überwältigende Mehrheit zeigte nach der Aufzählung von rechts links und Verschwörer bei der Ansage " Und jetzt alle anderen" auf.
Auf meinen Mahnwachen hatten wir unter 280 Leuten eine Reichsbürgerin, die haben wir gebeten nicht mehr zu kommen und sie blieb fern.
Meine Beobachtung aus zahllosen Privatinterviews auf youtube, und von unserer Mahnwache sind, dass zur Zeit überwiegend Menschen demonstrieren, die vorher niemals oder vor 20 Jahren das letzte Mal auf einer Demonstration waren.
Die politische Orientierung bezeichnen nahezu alle als komplett unwichtig und den Reden nach scheint diese bunt gemischt. Eine Gruppe Rechtsradikaler habe ich weder auf Bildern noch in Videos noch in echt ausmachen könne. Man kann davon ausgehen, dass die Rechten , da sie gut vernetzt sind, Menschen zu Protesten motivieren könnten, es wurde aber bislang soweit ich weiß keine "rechte Rede" gehalten oder "rechte Agitation" betrieben, alle Redemitschnitte, die ich kenne, drehen sich um Sorgen, Angst und Kritik an den Maßnahmen.
 Zum Gemeinmachen:
Wer auf ein Konzert mit 10.000 Menschen geht, macht sich auch nicht mit den zwei Rechtsradikalen gemein, die dort sind und das gleiche T-shirt tragen.
Wer auf eine von bekannten Rechtsradikalen organisierte Demo ginge, evtl schon, ob das für einen Demonstranten erkennbar ist, ist natürlich eine andere Frage.

Behauptung:
Zudem ist das Gewaltpotenzial in den Reihen der Protestierenden erschreckend groß: Polizei und Journalist*innen werden aus den Demonstrationen heraus angegriffen

Die beiden Journalistengruppen wurden gezielt von organisierten Gruppen angegriffen, die sich unter die Protestierenden gemischt hatten, nicht von Protestierenden.

Das Verhältnis von Polizisten, die Demonstranten angreifen zu Demonstranten, die Polizisten angreifen liegt nach meinen Zählungen bei etwa 98 zu 2

Neuerdings laufen angebliche Antifas bei Demonstrationen auf, schreien und pöbeln, manche schubsen sogar Demonstranten. Die Polizei duldet das oder greift ein, das ist sehr unterschiedlich. Auf einigen Webseiten wird behauptet, dass es sich nicht um "echte" Antifas handelt. Ich kann für meinen Teil behaupten, dass die Antifas , die ich als Busfahrer zu Demos gefahren habe, immer wussten, gegen wen und warum sie demonstrieren, mit drei Jugendlichen Vermummten habe ich mich in Köln nach unserer Mahnwache unterhalten, dort hatten sie kurz, aber gewaltlos gestört. Die hatten nicht den blassesten Schimmer, für was unsere Mahnwache steht, waren nur auf eine Person (die Reichsbürgerin) aus und waren komplett uninformiert über die politische Situation ("Versammlungsfreiheit? Häh? Ihr versammelt Euch doch?), für mich macht das ebenfalls nicht den Eindruck, dass es sich um politisch aktive Antifas handelt, eher um so etwas wie junge Hooligans. Auf verschiedenen Webseiten wurde behauptet, dass die Antifa für das Stören bezahlt würde, Hintergrund ist eine Rede von Renate Künast im Bundestag im März, die eine Ausweitung dieser Bezahlungen der Antifa fordert, die bislang immer nur in Jahresverträgen erfolge (kein Scherz). Die Geldflüsse sind aber nicht belegbar.

Auch das Sprengstoffattentat in Stuttgart und die Verletzung von zwei Demonstranten dort wird auf verschiedenen Webseiten udn auch von der Polizei dem "linken Spektrum" zugeordnet. 

Behauptung:
Dazu gehört () das Tragen von Masken
Das ist nicht belegt, auch Christian Drosten und Lothar Wiehler haben dazu vor der Einführung der Maskenpflicht noch gegenteilige Aussagen getroffen, Ärztechef Montgommery weißt ausdrücklich auf die Gesundheitsgefahren durch das Tragen von Masken hin.

Behauptung:
Wir können Zweifel zerstreuen und Ängsten begegnen. Und mit Fakten argumentieren.

Das wäre ein Traum!