Einblicke in mein Tagebuch
Liebes Tagebuch, schon wieder ist eine ganze Woche um und ich komme jetzt erst dazu, alles aufzuschreiben
Montag
Eröffne unter Schirmherrschaft von Betsy Wulff eine Salamifabrik im Hinterhof von Schloss Bellevue. Finanziere diesmal nicht über meine alten Freunde Edith und Egon, sondern gleich zu günstigeren Zinsen über die BW Bank.
Dienstag
Gerate in die Kritik, weil ich für die Geflügelsalami keine Hühner von freilaufenden Eiern verwendet habe. Stelle in einer Presse-Erklärung richtig, dass ich diese Salamitaktik als Privatmann entschieden habe und sehr bedauere. Stelle auch klar, dass meine Schirmherrin Betsy Wulff keine geschäftliche Beziehung mehr mit ihrem Mann hat, weil ich keinesfalls das Amt des Bundespräsidenten beschädigen will.
Mittwoch
Spanne einen Tag bei einem Geflügelwurst-Geschäftsfreund auf dessen Gut aus, reise aber sofort ab, als Johannes B. mich bittet, 20 Euro für die Übernachtung zu bezahlen, um sein Amt nicht zu beschädigen. Bin froh, dass ich zurück nicht noch Holzklasse fliegen muss, irgendwer hat mich upgegraded.
Donnerstag
Scharfe Kritik an meiner Amtsführung in der Salamifabrik, will die Produktion wegen der Vorwürfe einen Tag aussetzen, um zu recherchieren, zu welchen Fragen ich mir Ausreden einfallen lassen muss. Rufe vorsorglich Karl Diekmann und Else Springer an, um das notwendigste zu vertuschen...
Freitag
Lese in der Bildzeitung den genauen Wortlaut meiner Telefonate von gestern. Lasse bei meinem Anwalt einen offenen Brief als Gegendarstellung hinterlegen, in dem ich angebe, nach 20 Jahren in Dax-Vorständen quasi noch Praktikant zu sein. Kommt prima an. Spüre, dass die Menschen meine Salami noch wollen. Langweile mich sofort und gebe mein Amt aus diesen persönlichen Gründen ab. Möchte lieber was Spannendes, Aussichtsloses tun, vielleicht rette ich die FDP...
Aber nun muss ich Schluss machen, nächste Woche ist ja auch noch ein Tag.